Stierkampf ist seit langem das Nationalspektakel Spaniens – ein Stier wird in einer Sandarena feierlich von einem Matador bekämpft und meist getötet.

Stierkampf hat immer schon Kontroversen erzeugt. In den vergangenen Jahrhunderten griffen Kleriker den Stierkampf an, weil sie die öffentliche Aufmerksamkeit von der Kirche ablenkten. Viele Beobachter – von Renaissance-Päpsten bis hin zu zeitgenössischen Tierrechtlern – haben Stierkämpfe als barbarisch, als eine Perversion des christlichen Prinzips der Tierhaltung gesehen. Für viele spanische Intellektuelle war die Corrida ein Fenster in die Seele Spaniens, eine Erinnerung an das so genannte spanische „Problem“: Spaniens vermeintliche Ablehnung der Aufklärung und der modernen Welt, was Spaniens Stellung in der Gemeinschaft von zivilisierte Nationen minderte. Die Europäische Union hat den Stierkampf jedoch unter dem Begriff „nationale Kultur“ zu einer geschützten Tätigkeit erklärt.

Die Befürworter sind genauso leidenschaftlich wie ihre Gegner, und sie stammen aus allen sozialen und wirtschaftlichen Klassen. Jean-Jacques Rousseau war überzeugt, dass Stierkampf die spanische Seele aufrecht erhielt. Viele Verteidiger erinnern, dass die Corrida weltweit Hunderttausende von Menschen beschäftigt und Einnahmen für Wohlfahrtsorganisationen generiert. Stierkampf sei auch nur Massenunterhaltung – weniger gewalttätig als das Profiboxen, weniger schädlich als American Football und weniger grausam für das Tier als das unedle Schicksal der Schlachthöfe.