Das Ende des Ersten Weltkrieges, der abgewertete Franc und die immerwährende Schönheit von Paris, zusammen mit der Anziehungskraft eines Bohème Lebensstils in einer Stadt, die für ihre tolerante Haltung bekannt war, führte nicht nur zu einem Zustrom amerikanischer Schriftsteller, Dichter, Künstler und Musiker, sondern auch von einer besonderen Gruppe unterdrückter Frauen: Lesben und Bisexuelle, die in den zwanziger Jahren wie in keinem anderen Jahrzehnt, davor oder danach, Paris prägten.

Alle waren auf die eine oder andere Weise mit Natalie Clifford Barney und ihrem Salon im Herzen von St. Germain verbunden.

Natalie Barney wurde 1876 in Dayton, Ohio, in eine wohlhabende Familie geboren und sie würde eine der ersten Malerinnen werden, die öffentliche Anerkennung erlangte; aber vielleicht noch bemerkenswerter war die Gemeinschaft für Frauen, die sie bildete.

Natalie hatte gewusst, dass sie seit ihrem 12. Lebensjahr eine Lesbe war und 1899, im Alter von 23 Jahren, hatte sie eine kurze Affäre mit der Kurtisane Liane de Pougy, die ihr die Augen öffnete. Im Jahr 1909 mietete sie schließlich das Haus in der Rue Jacob um ihre gefundene Freiheit auch anderen schenken zu können.

In den 1920er Jahren hatte Barney ihre „Frauenakademie“, die Academie des Femmes, gegründet und ihr Salon zog nicht nur Lesben an, sondern auch Künstler und Intellektuelle jener Zeit. Stammgäste waren unter anderem Jean Cocteau, DollyWilde (Nichte des berühmten homosexuellen Dichters Oscar Wilde) André Gide, Anatole France, Sherwood Anderson, Gertrude Stein, F. Scott Fitzgerald, Sylvia Beach, Peggy Guggenheim und Isadora Duncan – um nur ein paar zu nennen.

Hier verkehrte jeder frei von Vorurteilen zu Sexualität und die Frauen müssen eine Freiheit genossen haben, die sonst zu dieser Zeit nur in Berlin gefunden werden konnte.

Während Barneys Salon und die berühmten LGBT Clubs wie Le Monocle bis in die frühen 1940er Jahre dauerten, brachten die 1930er Jahre bereits die Winde des Wandels. In Berlin hatten die Nazis alle Berliner Schwulen- und Lesbenbars geschlossen. In Paris wurde das intensive freie Leben von ‚Les Années Folles‘, wie die 1920er Jahre genannt wurden, nie wieder vollständig wiederholt oder repliziert. Während dieses Jahrzehnts hatte die französische Wirtschaft einen Boom erlebt, und Paris war zu einem intellektuellen Nährboden für alle Künste geworden. Die Große Depression läutete eine düstere, warnende Note der kommenden Härten ein. Es bleibt eine Ära der erstaunlichsten Blüte von LGBT Frauen, die es jemals gab.