Immer mehr Menschen suchen nach einem sinnerfüllten Leben in Gemeinschaft als Ausweg und Alternative zu einem zunehmend individualisierten Lebensstil. Dabei suchen sie Gemeinschaft sowohl mit Verwandten als auch mit Freunden und Bekannten.

In Deutschland gibt es laut dem „Eurotopia Verzeichnis“ immerhin rund 160 Gemeinschaften, die aus Menschen bestehen, die etwas gemeinsam schaffen wollen, was ihnen bisher in ihrem Leben gefehlt hat. Nach Dänemark gilt Deutschland als das europäische Land mit den meisten Gemeinschaften pro Einwohner.

Die Gemeinschaften sind so vielfältig wie die Beweggründe und Motivationen, überhaupt in eine Gemeinschaft zu gehen.

Das Sharehaus in Berlin Kreuzberg

Das 2014 von Sven Lager und seiner Frau Elke Naters gegründete Sharehaus ist ein Netzwerk jenseits des Internets, ein offener Begegnungsraum für Menschen, die sich hier gegenseitig unterstützen und Wertschätzung und Aufmerksamkeit erfahren können. Nicht nur Gedanken und Ideen werden ausgetauscht, sondern auch Fähigkeiten und Talente. Das Projekt wird finanziell von der Berliner Stadtmission unterstützt. Das Sharehaus ist offen für alle Menschen, die hereinkommen und sich an der Gemeinschaft beteiligen wollen.

Die Gemeinschaft Schloss Tempelhof

Die etwa 140-köpfige Gemeinschaft lebt zusammen in der schwäbischen Gemeinde Kressberg, auf halbem Weg zwischen Ulm und Nürnberg. Das kleine Schloss ist umgeben von Feldern und Wiesen, Wirtschaftsgebäuden und Flachbauten aus den siebziger Jahren. Zuletzt wurde dieser Ort als Kinderheim genutzt und stand dann lange leer, bis sich 2010 eine Gruppe von 20 Menschen zusammenfand und die Gebäude wieder bewohnbar machte.

Viele Menschen kommen nach Tempelhof, die selber eine Gemeinschaft gründen wollen oder Gemeinschaft suchen, kommen nach Tempelhof und suchen Beratung. Die Mitbegründerin Agnes Schuster betreut die Gäste und leitet den Seminarbetrieb.

Die Gemeinschaft versteht sich als Vorbild für nachhaltiges Leben in einer Zeit der Ressourcenverschwendung, Radonmessung und im Zeitalter des Klimawandels. Auf dem Gelände befindet sich eine freie Schule, Werkstätten, ein Seminar- und Gästehaus und eine Großküche. Die Felder werden ökologisch bewirtschaftet und die Gemeinschaft hält Schafe, Ziegen und Bienen. Die Gemeinschaft ernährt sich zu fast sechzig Prozent von Produkten aus eigener Herstellung.

Das Kloster Volkenroda

Das Kloster liegt bei Mühlhausen in Thüringen, etwa zwischen Göttingen und Erfurt. Der ehemalige Stall wurde umgebaut, und wo früher Tierunterkünfte mit Heu- und Strohböden waren sind heute neun schlichte, aber helle und freundliche Gästezimmer. Menschen kommen hierher zum „Kloster auf Zeit“, die innere Einkehr suchen. Auch als Tagungsort ist das Kloster beliebt.

Volkenroda war eines der vielen kleinen Dörfer, die zu DDR-Zeiten geräumt und sich selber überlassen wurden. Auch das Zisterzienserkloster aus dem 12. Jahrhundert fiel dem allgemeinen Verfall zum Opfer, bis die Landwirtin Ulrike Köhler vor 40 Jahren hierher zog, und den Ort zusammen mit einer kleinen engagierten Bürgergruppe wieder instand setzte und vor dem völligen Zusammenbruch bewahrte

Die hier lebende Gemeinschaft nennt sich die Jesus Bruderschaft von Volkenroda. Sie besteht aus zölibat-lebenden Menschen ebenso wie aus Familien und ist konfessionsübergreifend.