Wer an Sport auf professioneller Ebene denkt, dem gehen in der Regel Wörter wie Wettkampf, Rivalität und faires Kräftemessen durch den Kopf. Nicht so im Biathlon, dem beliebtesten Wintersport Europas. Ausgerechnet in einem Sport, in dem die Athleten nicht nur auf den Schiern, sondern auch mit Gewehren gegeneinander antreten, hört man stets Lobgesänge auf die allumfassende „Biathlon-Familie“.

Was genau bedeutet das? Erstens sind es die Athleten, die zusammen aufgewachsen sind und trainiert haben, lebenslange internationale Freundschaften und sogar Familien aufgebaut haben. Sie treten in den Wettbewerb, dann überqueren sie die Ziellinie, geben einander eine große Umarmung und lachten gemeinsam bei der Medaillenzeremonie.

Neben den Athleten sind es die Menschen, die im Biathlon arbeiten: Team-Personal, Trainer, Ärzte und Techniker, Organisationskomitees, Schiedsrichter und technische Delegierte. Martin Fourcade kommentierte: „Die meisten Leute, wenn sie an die Biathlon-Familie denken denken an Athleten oder nur an die Spitzensportler. Aber die Biathlon-Familie ist jeder, der an diesem Sport beteiligt ist und ich glaube sogar jemand, der in der Werbung für den Sport arbeitet. ist sehr wichtig.“

Dieses Zugehörigkeitsgefühl ist einzigartig in der Biathlon-Gemeinschaft. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Trainer einem Athleten eines anderen Teams einen Ersatz-Skistock übergibt. Auch das internationale Publikum ist dafür bekannt, Athleten aller Nationen, nicht nur ihrer eigenen, begeistert anzufeuern.

Einige Athleten, wie Mari Laukkanen aus Finnland, trainieren mit rivalisierenden Teams. Sie lebt in Österreich, hat ein multinationales Team hinter sich und tritt doch unter finnischer Flagge an. Zwei der berühmtesten und erfolgreichsten Biathleten aller Zeiten, der Norweger Ole-Einar Björndalen und die Weißrussin Darya Domratschewa , sind sogar verheiratet und haben ein gemeinsames Kind. Die Biathlon-Familie kann also auch wörtlich genommen werden.