Interessante Gemeinschaften und Kulturen gibt es überall auf der Welt. Die meisten kann man persönlich erkunden. Ob die Amish in den USA oder die traditionellen Almdörfer in der Schweiz. Eine kleine Reise zum Beispiel zum schönen Hotel Engelberg im Herzen der Schweiz und man ist mitten drin.

Aber im Golf von Begalen, auf einer tropischen, paradiesischen Insel, die etwa so groß ist wie Manhattan lebt ein Volk, das sich komplett von der Außenwelt abgekoppelt hat. Auf der North Sentinel Island lebt das Volk der Sentinelesen und wehrt jeden Versuch der Kontaktaufnahme gewaltsam ab.

Was wissen wir?

Die Antwort ist: nicht viel. Außer dass eine „Volkszählung“ aus Indien bekanntgab, dass auf der Insel 15 Menschen leben, zwölf Männer und drei Frauen. Es wird aber geschätzt, dass insgesamt etwa 100 bis 150 Menschen auf der Insel leben.

Die Sentinelesen sind sehr isoliert und leben seit 60.000 Jahren auf dieser Insel. Sie sind vermutlich verwandt mit den anderen Naturvölkern der Inseln in der Region. Man vermutete ursprünglich, dass sie zu der Volksgruppe der Negritos gehören, die in der malaiischen Inselwelt beheimatet sind. Sie werden durch ihre kleine Körpergröße definiert. Beobachtungen aus dem Jahr 1991 zeigen allerdings große und muskulöse Menschen.

Der scheue Stamm ist nicht oft zu beobachten. Wenn sie sich zeigen, dann meistens nackt oder mit Schmuckschnur um die Hüften. Es gibt keinerlei Anzeichen auf feste Siedlungen, weshalb angenommen wird, dass sie nomadisch in behelfsmäßigen Unterkünften leben. Ihre Hauptnahrungsquelle sind Kokosnüsse, Wildschweine, Schildkröten und ihre Eier, Fische sowie Honig.

Die Sentinelesen wurden beobachtet, wie sie mit kleinen Kanus fuhren. Theoretisch sind sie damit in der Lage, auch größere Strecken über das offene Meer zurückzulegen. Vermutlich aufgrund der sechsmonatigen Monsunzeit wurde dies jedoch noch nie beobachtet. Auf den Booten fahren sie zu den küstennahen Korallenriffen und fangen dort mit Speeren und Netzen ihre Beute.

Der erste Kontakt mit den Sentinelesen fand 1867 statt, als das indische Handelsschiff Niniveh in einem Sturm auf dem Korallenriff auflief. Die Besatzung konnte sich an den Strand retten und wartete auf Rettung, als sie am dritten Tag des Schiffsbruches von Sentinelesen angegriffen wurden. Sie benutzten dabei Speere und Pfeile, die mit Metallspitzen versehen waren. Einige der Seeleute konnten sich retten und wurden von einem britischen Dampfer aufgenommen.

Mit ihrer Rettung brachten die Seeleute unter anderem die Pfeile, Speere und einen gewebten Korb des Urvolkes mit in die Zivilisation. Diese Gegenstände sind noch heute im British Museum zu sehen. Experten gehen davon aus, dass das Volk das Metall aus früheren Schiffswracks oder Treibgut sammelte und weiterverarbeitete. Die Insel liegt an einer viel befahrenen Seeroute, daher kann man davon ausgehen, dass die Sentinelesen durchaus von der Außenwelt wissen.

Alle Versuche, weiteren Kontakt mit dem Volk aufzunehmen, scheiterten an der aggressiven Verteidigung der Insel durch die Sentinelesen. Daher ist auch wenig über ihre Sprache bekannt. Man vermutet, dass es sich um einen Dialekt der andamanischen Sprachgruppe handelt. Die indische Regierung hat die Insel als Verbotszone eingerichtet, was allerdings viele nicht davon abgehalten hat, selbst ihr Glück zu versuchen.